Nie hat sich ein Nerd, oder ein Sammler oder ein Dokumentarmäuschen soweit hinein getraut in die Abgründe der Comic-Szene. Solche Leute haben für ihre jährliche Action, ja auch die plakativen Veranstaltungen der Comic-Invention. Wir befinden uns heute allerdings in einem Museum. Und zwar im ältesten Postgebäude der Stadt. Dem Museum für Kommunikation. Neben alten Briefmarken und Telefonapparaten. Der Vorsaal ist umgebaut worden in einen belebten Marktplatz. In einen richtigen Comicbazar. Hier stellen heute Gegenwartskünstler, also auch moderne Grafiker aber vor allem junge Nachwuchstalente ihre aktuellen Produktserien vor. Und du darfst sie auch kaufen. Die meisten nehmen sich aber vor allem die kostenlosen Sticker mit. Das hat Tradition in Berlin. Überall klebst du den Ampeln und Laternen eine. Wie ein Tritt ins Scheinbein des Ordnungsamtes. Manchmal kommt dann eine gehässige Oma vorbei und montiert die Sticker wieder ab. Besonders sauer wird sie, wenn sie sich nicht wieder abziehen lassen. Denn dann kann sie die nicht mehr in ihr erfolgloses Atelier hängen. Wovon ernähren sich eigentlich Zeichner in unserem Land? Ist das Zeichnen von lustigen Figuren so eine Art Subbotschaft? Oder eine klare direkte zielgruppenorientierte Anmache?
Da wir unsere Eltern mitnehmen durften haben wir einfach mal eine paar Sachen gekauft, Argument: Ich brauche noch ein Geschenk für den verklemmten Onkel. Und außerdem ist hier der Eintritt frei. Wo gibt es das ein zweites Mal? Nirgends.