Als echte Berliner haben wir jeden Tag die Gelegenheit Tourist zu spielen. Wir haben den Abriss des Palastes der Republik erlebt und den Wiederaufbau des Schlosses auf dem Schlossplatz 1 in Mitte. Wir haben den Ausbau der U5 erlebt und natürlich haben wir als studierte Museologen mindestens einmal für die Staatlichen Museen zu Berlin gearbeitet…
Aber das Humboldt Forum mal von innen zu sehen, war sogar für uns neu.
Wurden unsere Erwartungen erfüllt? Ist die permanente und einzige kostenpflichtige Ausstellung Berlin Global wirklich so spannend? Wie war die 60 minütige Führung? Gibt es interessante Sachen im Museumsshop?
Mit der erweiterten Strecke der U5 kommt man jetzt auch bis zur Station „Museumsinsel“. Der U-Bahneingang befindet sich direkt auf dem Vorplatz des neu wieder aufgebauten Schlosses (der Palast der Republik wurde dafür wieder abgerissen) auf dem Schlossplatz 1. Von hier aus kann man die Turmspitzen der Friedrich Werderschen Kirsche sehen und das Alte Museum mit dem Lustgarten, außerdem den Berliner Dom.
In dem pompösen Schloss mit seinen 10 Meter hohen Wänden, dem haushohen Eingangstor und der geräumigen Vorhalle tummeln sich schon kurz nach der Öffnung um 10:30 Uhr viele Touristen und Schülergruppen. Sie alle warteten gerade schon vor dem Schloss auf den Einlass.
Während die Fassade von außen Originalgetreu erscheint, ist es im Inneren überraschend modern und schlicht gehalten. Hier ist das Humboldt-Forum eingezogen. Eine Kooperation mit vielen Berliner Museen, wie der Stiftung Stadtmuseum und den Staatlichen Museen zu Berlin.
Wir sind hier verabredet für eine Führung durch die permanente Ausstellung „Berlin Global“. Wir erwarten eine interaktive Ausstellung mit Themen wie „Globalisierung“, „Partnerstädte“, „Kolonialisierung“, „Wirtschaft“, „Handel“ und „Tourismus“.
Im ersten Raum erklärt uns die studierte Historikerin, wie es zu dem Namen der Ausstellung kam, hatte hier schließlich irgendein König einst im Schloss gelebt, und die Kolonialisierung in Afrika vorangetrieben, woraus sich noch bis heute bestehende Strukturen ergeben.
Die Schülergruppen, die hier durch kommen, können sich ein Armband geben lassen und es hier aktivieren. Denn es gibt im Eingang zu jedem Raum die Möglichkeit sich für links oder rechts zu entscheiden, am Ende der Ausstellung erfahren sie dann, wo sie politisch stehen, eher weltoffen oder eher heimatliebend.
Interaktiv ist die Ausstellung auf jeden Fall. Es gibt Hörstationen, Touchpads, einen sehr beliebten Diskoraum, der zum Tanzen einlädt, Videoleinwände und das Rad der Zeit, an dem alle kräftig drehen müssen, damit es sich bewegt.
An manchen Stellen gibt es regelmäßig wechselnde Gastaussteller. Zum Beispiel die Station mit den obdachlosen Frauen, die ihre Geschichte erzählen.
Sogar die originale Eingangstür des berühmten Technoclubs „Tresor“ steht hier und man darf sogar durch laufen.
Ein Nachbau des Kaiserpanoramas, eine Art 3D Diashow mit historischen Fotos von arabischen Ländern funktioniert einwandfrei. Gleich dahinter kann man verschiedene Currygeschmäcker kosten.
Abgeschlossen wird die Ausstellung mit dem Thema Mode. Hier sieht man vor allem die unterschiedlichen Stile, wie: Romantisch, Androgyn, Sportlich und noch viel mehr.
Alles in allem eine sehr gelungene, vielseitige und umfassende Ausstellung, um Berlin von allen Seiten zu beleuchten, politisch sowie zivil. Aber irgendwie auch eine klassische Berlin Ausstellung, wie für Touristen.
Im Museumsshop gab es daher auch vor allem Berlin Souvenirs, und nicht, wie erhofft eine Menge Bücher zu diesen historischen Themen.
Trotzdem würden wir eurer Schulklasse einen Besuch im Humboldt-Forum empfehlen. Viele Ausstellungen dort sind sogar kostenlos.