Es ist wirklich was dran am alten Mythos, Frauen würden öfter shoppen gehen als Männer. Vor allem können sie das täglich und stundenlang. Sie haben mehr Kondition, möchte man meinen. Tatsächlich sieht man viele dieser Frauen aber hungern, weil sie ihr Monatsgehalt oder ihre Stütze bereits für Klamotten, Schuhe, Schmuck und Möbel etc. ausgegeben haben. Dass sie das gerne machen, ist klar. Bei jedem Kaufrausch wird das Belohnungszentrum im Hirn aktiviert, und das wiederum schüttet das Glückshormon Endorphin aus. Dieses Hormon ist wichtig für den Organismus, aber vor allem für die Psyche. Ähnlich wie bei einem Orgasmus. Das Selbstwertgefühl steigt kurz an und lässt Frauen sich mächtig gut fühlen. Wie ein langer Arbeitstag, an dem man etwas geschafft hat, ist auch der Akt des Anprobierens und Kaufens also irgendwie sinnvoll, in den Augen der Ladys. Früher sind sie, anstatt in die Einkaufszentren, wo sich übrigens nur die ganz jungen Männer aufhalten, in den Wald gegangen und haben Beeren, Nüsse, Pilze und andere Früchte gesammelt. Es ist vielleicht eher ein Sammlergen, das Frauen dazu antreibt, immer mehr shoppen zu wollen.
Kaum haben sie ein schönes Teil ergattert, wollen sie auch noch das passende dazu und dann noch ein Ersatz…
Es ist doch schön, wenn frau etwas gefunden hat, womit sie sich wohl fühlt. Oft ist der Wunsch nach etwas Neuem, Aufregenderem, der Auslöser. Eine Frau, die sich langweilt, zum Beispiel, füllt mit den neuen Kleidern auch oft die Zeit, in der sie sich mit sich selbst beschäftigen könnte. Wir sprechen von einer emotionalen Leere. Der Griff nach den Dingen gibt einem das Gefühl, diese Leere zu füllen.
Natürlich gibt es auch Frauen, die haben überhaupt kein Bedürfnis, einkaufen zu gehen, und genauso gibt es auch Männer, die das trotzdem gerne tun. Unsere Theorie ist also nicht pauschal nur auf Frauen anzuwenden, aber seien wir ehrlich: Eine Frau wird dadurch interessant.
Expertenrat zum Thema Kaufsucht
Kaufsucht ist ein psychologisches Phänomen. Wenn die Kaufsucht stark ausgeprägt ist, kann sie sogar krankhaft werden. Psychologische Tests in anderen Magazinen sagen uns: Sparen ist keine Option für Kaufsüchtige. Sie haben in ihrer Kindheit nicht genug Zuwendung erfahren. Wenn sie ins Kaufhaus gehen, treffen sie aber auf jede Menge Aufmerksamkeit: Andere Kunden, die Verkäufer. Und wenn sie dann mit vollen Tüten nach Hause kommen, will der Freund oder die Mutter natürlich sofort wissen, was da drin ist, und schon hat man wieder das Feedback, das man braucht. Wirklich unterdrücken lässt sich der Kaufrausch faktisch nur, wenn der Erkrankte täglich und mehrmals die Aufmerksamkeit bekommt, die er sich wünscht, auch wenn das vielleicht zu neuen Problemen führt.